Interview mit Christian Ehring [+Video]

Kabarettist Christian Ehring ist bekannt als Moderator der Sendung extra 3 und seinen Auftritten  bei der Heute Show.  Vor seinem Solo-Auftritt in der IGP, hat die Schülerzeitung ihn interviewt.

 

Hier eine kleine Auswahl der besten Fragen und Antworten:

Hallo Herr Ehring, vielen Dank, dass Sie sich so kurz vor dem Auftritt die Zeit genommen haben. Wo sind Sie selber in die Schule gegangen und wie würden Sie ihre Schulzeit beschreiben?

Ich bin in Kreefeld am Niederrhein aufgewachsen und war auf dem Ricarda-Huch-Gymnasium.

Im Vergleich zu heute würde ich sagen: paradiesisch. Man darf das den Schülerinnen und Schülern gar nicht mehr sagen, was wir für ein         laues Leben hatten. Wir hatten irgendwie sechs Stunden, manchmal sieben, dann ist man nach Hause gegangen und hat was gegessen – mit der Familie zusammen. Oder hat sich selber etwas zu Essen gemacht. Aber es gab fast keine Ganztagsschulen und ich hab damals unheimlich viel Zeit gehabt. Zum Klavierunterricht, Freunde Treffen, Sport, alles Mögliche. Wenn ich das bei meinen eigenen Kindern heute sehe, ist das ein ganz anderes Leben.

 

Ja, hört sich auf jeden Fall toll an.     

Es war super. Ich kann‘s nur empfehlen. Also in den 80ern in die Schule gehen war wunderbar.

 

Wie sind Sie schlussendlich doch zum Kabarett gekommen, wie hat alles angefangen?

Ich war als Schüler eher schüchtern, also man kann auch sagen, extrem verklemmt und ich hab dann schon zu Schulzeiten das Glück gehabt, dass mich irgendjemand auf die Bühne gezerrt hat. Und das waren zwei Freunde gleichzeitig. Die damals sagten „Mensch, wir wollen sowas machen in Richtung „Kabarett“. Und einer kam aus dem Karneval und der andere ist heute Professor für Volkswirtschaft und hat überhaupt nichts mehr damit zu tun. Und die wussten, dass ich für die Schülerzeitung schreibe, was ich damals für humorvoll und satirisch hielt. Und haben mich so ein bisschen als Texter mit ins Team genommen und dann hab ich das meiste geschrieben und durfte dafür mitspielen. Und als ich das erste Mal auf der Bühne stand, merkte ich aber, dass macht so eine Laune, das will ich nicht mehr aufgeben.

 

Sind sie immer der Meinung, die sie auch bei Extra3 oder bei ihren Auftritten verkörpern? Stehen sie persönlich da immer 100% dahinter?

Also, bei extra 3 gibt es Themen die kommen jetzt nicht von mir, die sind von anderen Autoren vorgeschlagen worden. Und, dann mache ich dazu natürlich auch eine Moderation. Und oft finde ich das auch sehr wichtig und manchmal denke ich, darüber müsste man jetzt nicht reden. Solche Unterschiede gibt es. Aber wenn ich etwas völlig anders sehe, wenn mir das total schwer fällt, inhaltlich das zu vertreten, dann sage ich auch, dann wird das auch thematisiert und dann diskutieren wir das auch. Auf der Bühne ist das im Moment doch sehr genau das, sehr deckungsgleich mit dem, was ich sagen will.

 

Haben Sie es denn schon einmal das erlebt, was man keinem Kabarettisten wünscht, nämlich, dass Sie eine Pointe gerissen haben und niemand hat gelacht?

Ja klar. Auf jeden Fall. Ja.

 

Und wie reagiert man dann oder haben Sie Beispiele?

Also es gibt auch geschlossene Veranstaltungen, Firmenfeiern zum Beispiel, da habe ich angefangen zu spielen und nach 10 Minuten haben alle sich angefangen zu unterhalten und es hat keinen mehr interessiert. Man wird dann für 45 Minuten gebucht, aber nach 10 Minuten interessiert das keine Sau mehr. Und das ist richtig hart. Inzwischen nehme ich mir immer vor: Von so etwas lasse ich mir nicht die Laune verderben und ich ziehe das dann gut gelaunt durch. Und das ist natürlich auch immer so ein bisschen „take the money and run“ und dann macht man es halt nur wegen des Geldes wegen.

 

Sie haben ja viel mit Politik zu tun und reden viel darüber. Wenn Sie tatsächlich etwas in der deutschen Politik ändern könnten, was wäre das?

Also welche Stellschraube man da jetzt genau anpacken müsste, weiß ich auch nicht. Aber als größtes Defizit sehe ich, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Reiche Menschen stehlen sich aus der Verantwortung. Und ich würde mir wünschen, dass es wieder Chancengerechtigkeit in Deutschland gibt. Die gibt es einfach nicht und da sind viele Menschen, die sich zu recht benachteiligt fühlen.

 

Sie gelten als der Mann, der Erdogan unter anderen mit ihrem Lied in der Sendung extra3 ziemlich geärgert hat. Wie beurteilen Sie die momentane Situation in der Türkei?

Das ist alles noch viel schlimmer geworden. Mir fällt es immer schwerer dagegen anzuwitzeln. Mit dem Referendum wird die Türkei immer mehr zu einer Diktatur und das tut mir für die Menschen leid, die da leben. Dabei ist die Türkei  einfach ein unheimlich symphytisches Volk.

Dann bedanken wir uns für das Interview und jetzt viel Spaß beim Auftritt.

Bei der Saitire Sendung extra 3 läuft jeden Mittwoch um 22:50 Uhr im NDR der „Irrsin der Woche“. Man findet extra 3 aber auch auf deren Website und auf YouTube. Auf Instagram postet extra 3 eine Vielzahl an übertrieben lustigen Bildern.

Die Fragen und den Text schrieb Felix Naal. Die Fragen stellte Dario Schramm. Max Heckmann war unser Kameramann.

 

Über Felix Naal 10 Artikel
Ich bin 16 Jahre alt und besuche den 11 Jahrgang an unserer IGP. Zusammen mit Max Heckmann habe ich den TintenKiller gegründet und organisiere in der Rolle des Chefredakteurs und V.i.S.d.P. sämtliche Abläufe rund um die Schülerzeitung. Dementsprechend bin ich auch der erste Ansprechpartner. Als Schülersprecher habe ich weitreichende Einblicke in das Schulgeschehen, worüber ich vorrangig im TintenKiller berichte. Ich schreibe aber auch für alle anderen Rubriken und bin am Entstehungsprozess der meisten Artikel beteiligt. Auf Basis meines starken politischen und wirtschaftlichen Interesse, berichte ich auch über weltweite, aktuelle Themen. Infolge meiner journalistischen Tätigkeit bin ich Träger des Jugend-Presseausweises. Mein Kontakt: felixnaal@yahoo.de

2 Kommentare

  1. Extra 3 ist neben der „Heute Show“ und der „Anstalt“ meine lieblings Kabarett-/Comedy-Sendung. Schaut ihr auch politisches Kabarett?
    Wir würden uns über euren Kommentar und euer Feedback sehr freuen! 🙂 Euer Felix von der Schülerzeitung und der SV.

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